Trainingslager Porec Teil 2

Trainingslager Porec – Teil 2

 

Und wieder wurde mit der Hand ein sehr nervtötender Wecker im Dunkeln des Hotelzimmers gesucht, denn Großmeister Josef Pascuttini von der Taekwon Do Schule Lienz kennt keine Gnade, wenn es um das von Ihm um 6 Uhr früh am kroatischen Strand anberaumte Atemtraining geht. Also raus aus den Federn und erst mal die Wunden des letzten Tages geleckt. Keine Frage, der Körper gab eindeutige Signale und erste Abnutzungserscheinungen preis, was mich doch stark gewundert hätte, wenn es anders gewesen wäre. Doch eine erfrischende Dusche sorgt zumindest vorerst für halbwegs klar geordnete Gedanken und vertreibt die Muskelschmerzen ein wenig. Und ehe man sich versah, ging es auch schon gemeinsam mit den anderen Schülern und Meistern unseres Vereins dem Sonnenaufgang entgegen. Eine wahrlich traumhafte Idylle und passende Kulisse, um sich bei kontrollierter Atmung mit sich selbst mental auseinanderzusetzen und die Kraftreserven zu aktivieren für das, was an diesem Tag noch an harten Trainingseinheiten auf uns zukommen sollte.

Anfangs von mir leicht kritisch beäugt, so gestaltet sich für mich das ganz spezielle und meiner Ansicht nach auch gesundheitsfördernde Atemtraining mittlerweile als ein fester Bestandteil des traditionellen Taekwon Do. Eine korrekte Atemtechnik auch während eines Kampfes bzw. eben des Trainings an sich ist weder übertrieben, noch in sonstiger Art und Weise ein lästiger oder überflüssiger „Ballast“, sondern von bedeutender Wichtigkeit, wenn man es einmal ausprobiert und auch richtig begriffen hat. Bedenkt man dazu noch die gute Meeresluft, welche einem in den frühen Morgenstunden dieses Sonntages übers Gesicht fuhr, kann man sich vorstellen, daß dieser Kräfteschub von allen Teilnehmern mit entspanntem Gemüt begrüßt wurde.

Das Besondere an diesem frühen Sonntag war außerdem ein kleiner Einblick in die Welt der Akupressur, welche von Josef Pascuttini auch für den Laien verständlich und leicht nachvollziehbar erörtert wurde. Das dabei nicht nur graue Theorieeinheiten, sondern auch durchaus schmerzhafte praxisnahe Beispiele von Großmeister Pascuttini zum Besten gegeben wurden, versteht sich von selbst und wenn man es durch faktische Belege nicht besser wüsste, würde man die einzelnen Akupressur-Druckpunkte nach Anwendung wohl als alles, nur nicht als gesund bezeichnen und definieren wollen.

Sei es wie es will, erneut marschierte unsere Schule nach einer Stärkung am Frühstücksbuffet in die große Sporthalle, um ein weiteres Mal zusammen mit den Schülern und Meistern aus den anderen Bundesländern zu trainieren. Nach der obligatorischen und impulsiven Aufwärmphase und einem gemeinschaftlichen Anfangstraining wurden, wie schon bei den letzten Einheiten zuvor, die einzelnen Gruppen nach Graduierung eingeteilt und den Dan-Trägern zugewiesen. Für mich persönlich gestaltete sich dies als einer der interessantesten Aspekte dieses Trainingslehrgangs, da man erfahren konnte, wie die einzelnen Meister auf die anwesenden Schüler eingehen und die ausgearbeiteten Lerninhalte vermitteln. Natürlich waren Art und Weise des Vermittelns vom traditionellen Taekwon Do je nach Charakteristik unterschiedlich und dennoch verinnerlichten die Meister bei den einzelnen Ausführungen der Techniken und der Preisgabe des innewohnenden Wissens stets eine besonders hervorstechende Gemeinsamkeit: Absolute Hingabe und Leidenschaft in allen Bereichen, welche mit dem Lehren des Taekwon Do Sports vom Meister zum Schüler einhergehen.

 

Eine Besonderheit an diesem Tag stellten neben dem eigenen Training und dem Vertiefen der bislang erworbenen Fähigkeiten die Prüfungen zweier Schüler der Taekwon Do Schule von Großmeister Lorenzo Drexler aus Italien dar, welche den ersten Dan und somit den Meistergrad zu erlangen angetreten waren. Für mich als Betrachter war dies eine spannende Angelegenheit, denn den beiden  Meister-Anwärtern wurde so Einiges abverlangt. Neben fließenden Hyongs und diversen Selbstverteidigungsszenarien, welche mir wiederum deutlich vor Augen führten, daß Taekwon Do auch in leider manchmal unvermeidbaren Notsituationen eine effektive und legitime Art des Selbstschutzes bietet, gab es auch einige erstaunliche Darbietungen im Bereich der Bruchtest Disziplin. Gerade bei den Taekwon Do Anfängern blieben manche Münder und Augen ungläubig weit geöffnet angesichts dieser kontrollierten Körperbeherrschung, welche einen Menschen mit hohen Erfahrungswerten in dieser Ausnahmesportart dazu befähigt, mit Händen und Füssen dicke Holzbretter oder Ziegelsteine zu zertrümmern. Nach einer, wie ich finde, mehr als verdienstvollen Leistung  der beiden italienischen Schüler bekamen selbige unter dem Beifall der zahlreich anwesenden Schüler den begehrten ersten Dan umgegürtet.

Bis dahin mag es für den Verfasser dieser Zeilen noch ein langer, ausdauernder und harter Weg sein, doch hat mir, und sicher bin ich nicht allein mit dieser Auffassung, die Meisterprüfung der beiden Taekwon Do Sportler einen Ansporn gegeben, die eigenen Zielsetzungen mit Ernst und Entschlossenheit zu verfolgen und an den bisher erworbenen Fähigkeiten zu feilen.

Abschließend zu diesem Sonntag wollten auch die anwesenden Träger höherer Dan-Grade und Großmeister ihr Können in puncto Körperbeherrschung sowie Disziplin unter Beweis stellen, was sich in teilweise akrobatischen Vorführungen manifestierte. So gingen durch virtuose wie gleichermaßen kraftvolle und dennoch konzentrierte Schläge und Tritte Bretter und übereinandergestapelte Ziegel reihenweise zu Bruch, verließen Körper in fliegender Leichtigkeit den Boden oder brachten detaillierte Hyong Techniken durch Meister aus Deutschland die Anwesenden ins Staunen.

Gesamt betrachtet war dieser Tag zum wiederholten Male gespickt mit zahlreichen Überraschungen und einem Training, dessen Spuren ich beim letzten Tag in Porec noch härter als ohnehin zu spüren bekommen sollte. Mehr davon jedoch im dritten Teil dieses Erlebnisberichtes. Wer also den letzten Tag dieses Taekwon Do Lehrganges kennenlernen will, schaut hier auf der Infoseite der Taekwon Do Schule Lienz einfach öfters mal rein.

Bis dahin…von nichts kommt nichts! Also rein in den Dobok und auf geht’s!

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