Generationen – Taekwondo

Generationen – Taekwondo

„Weißt Du eigentlich, dass wir auch Seniorentraining anbieten?“ Diese Worte von Josef Pascuttini, werde ich wohl nie vergessen. Damals, 2011 unter der warmen Sonne von Porec, hat er wohl genau gewusst, wie er mich auf den Geschmack bringen muss. Mein Sohn Daniel, der schon seit seinem 7. Lebensjahr bei Erwin Pascuttini in die Taekwondo Schule geht, hat auch noch das Seine dazu beigetragen und mich ermuntert.
Dann Anfang September 2011, das erste Mal auf dem Weg zum Training, war ich schon sehr gespannt auf meine „gleichaltrigen“ Mitstreiter. Großmeister Pepi hat mich mit einem verschmitzten Lächeln herzlich willkommen geheißen, und da waren sie also! Alle im besten Alter zwischen 20 und 30 J. Den feinen Humor unseres Lehrers habe ich in den folgenden Monaten immer mehr kennen und schätzen gelernt. Dass ich den Altersschnitt etwas nach oben korrigiert habe, hat mich zwar anfänglich etwas irritiert, war dann aber in der Folge kein wirklicher Nachteil. Der Ansporn mit den Jungen mithalten zu können, hat über manche körperlichen Unzulänglichkeiten hinweggeholfen. Unglaublich, wie „patschert“ man(n) sich anfänglich anstellen kann!

Was ich die Jahre vorher schon beim Kindertraining mit Erwin beobachtet hatte, durfte ich jetzt selbst erfahren. Nur durch Ausdauer, Konzentration und ständiges Wiederholen verwandelten sich mit der Zeit die etwas hölzernen Bewegungen in harmonische Figuren, zumindest bei den anderen !

Das Training beginnt immer mit ausgiebiger Gymnastik, vor allem Dehnungs- und Kraftübungen. Das Aufwärmen ist für die folgenden Grundtechniken sehr wichtig, da man diese oft mit beträchtlicher Schnellkraft ausführt. So werden Verletzungen vermieden. 

Der Kopf wird zunehmend freier, und ich lasse den Alltag hinter mir. Jetzt folgen also die Grundtechniken. Diese setzen sich aus den sogenannten Stellungen, sowie den Hand- und Fußtechniken zusammen. Mit Adlerblick sieht Pepi jede Ungenauigkeit und verbessert mich mit unendlicher Geduld. Was für eine Freude, wenn nach unzähligen Wiederholungen, ein Bewegungsablauf auf einmal gelingt! 

Alle in der Gruppe sind mit Eifer dabei, wir spornen uns gegenseitig an. Die Schwächeren profitieren von den Erfahrenen, die ihr Können gerne weitergeben.

Nach 1 ½ Stunden harten Trainings, neigt sich der Abend mit den Hyong-Übungen, das sind vorgeschriebene Bewegungsabläufe, von denen es im traditionellen Taekwondo 20 verschiedene gibt, dem Ende zu. Sie dienen dazu, die erlernten Grundstellungen und Grundtechniken in eine harmonische Form zu „übersetzen“ und erfordern große Konzentration. 

Den Abschluss bilden Atemübungen, die durch ihren meditativen Charakter, eine vollkommene innere Ruhe bewirken. Müde und entspannt verabschieden wir uns.

 Wenn ich nach diesem Jahr Bilanz ziehe, ist Taekwondo für mich nicht nur eine Sportart, die mein Körpergefühl und meine Gesundheit verbessert hat, sondern auch eine Lebenseinstellung, die mir immer wieder zu mehr Ausgeglichenheit und innerer Ruhe verhelfen kann. Die vielen neuen Freunde und Gleichgesinnten empfinde ich als Bereicherung und ich freue mich schon auf das nächste Training. Inzwischen sind meine Mitstreiter ja schon ein Jahr älter, ich dagegen fühle mit deutlich verjüngt. Was so ein Seniorentraining alles bewirken kann !

Dr. Markus Sachsenmaier

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